Ein Stift liegt auf einem Notizbuch, das wiederum auf einem karierten Collegeblock liegt. Werkzeuge des Schreibens.

Schreiben und Bloggen… geht das echt parallel?

„Schreiben ist geschäftiger Müßiggang“ steht auf einem Stift, den ich gerne verwende. Es scheint wohl ein Zitat von Goethe zu sein, das suggeriert zumindest die weitere Aufschrift. Ob das tatsächlich stimmt, habe ich nie überprüft, den Götz von Berlichingen hab ich nie gelesen. Am Ende ist es aber auch völlig egal, der Satz selbst ist interessant und inspirierend genug. Falls jemand das Wort „Müßiggang“ nicht kennen sollte, ich komme gerne meinem lebenslangen Bildungsauftrag nach: Müßiggang bezeichnet einfach das Nichtstun, im Prinzip faules Rumliegen, weil man sich nicht von etwas erholt, sondern einfach nichts macht.

Bevor gleich jemand anfängt zu rotieren: Das ist überhaupt nichts Verwerfliches. Der Körper und vor allem der Geist brauchen ab und zu mal diese Ruhe, um auf neue Ideen zu kommen. Um sich selbst auch neu zu entdecken. Es ist auch nicht nur reines Nichtstun, sondern auch die Beschäftigung mit leichten und angenehmen Dingen. Es ist eine Form der Freizeit, die nicht einem bestimmten Zweck dient, etwa der Erholung oder der Verbesserung in einem Sport oder so.

Müßiggang und Kreativität hängen eng zusammen, das erkannten schon einige Philosophen vor mir (und ich bin wahrlich keiner). Und statt sich mich doom scrolling in den sozialen Medien oder irgendwelchen stumpfsinnigen Formaten im Streaming zu befassen, kann man doch auch tatsächlich kreativ werden. Müßiggang muss auch nicht immer Schreiben sein. Es kann, im Sinne des Auslebens der eigenen Kreativität, auch das Zeichnen, das Malen, Nähen, Stricken, Häkeln, die Holzverarbeitung, Schmieden oder was es nicht noch alles gibt sein. Am Ende hängt es am Wort „kreativ“, aus dem Lateinischen „creare“, was einfach erschaffen bedeutet.

Ich habe mich für das Schreiben entschieden. Das liegt auch daran, dass mir für Holzbearbeitung der Platz, für Schmiedearbeiten die Ahnung und für alles mit Stoffen die Koordination fehlt. Auch Zeichnen und Malen habe ich früh ausgeschlossen, ist einfach nicht meine Welt. Ich hab es versucht, aber über meine eigenen Fähigkeiten als Grundschüler kam ich an der Stelle nicht wirklich hinaus. Das überlasse ich anderen und bewundere einfach, was sie so tun (zum Beispiel hier).

Ein Stift liegt auf einem Notizbuch, das wiederum auf einem karierten Collegeblock liegt. Werkzeuge des Schreibens.

Goethe und das Schreiben eines Blogs?

Nochmal zurück zu Goethe. Der kann froh sein, dass er sich nicht damit herumschlagen musste, sein eigenes Schreiben um jeden Preis promoten zu müssen, um nicht in der Masse unterzugehen. Es ist bei Weitem nicht so schlimm und kräftezehrend wie ein digitales Leben in der Politik, wenn man dauerhaft tagesaktuell sein müsste. Aber hier sind schon die Voraussetzungen unterschiedlich. Für Autoren können sich Menschen explizit interessieren und ihre „Machenschaften“ aktiv verfolgen. In der Politik wird durch die Medien in aller Regel vorgefiltert, was „relevant“ ist (das ist ein ganz anderes Thema, über das ich hier nicht länger reden möchte).

Wenn ich so darüber nachdenke, dann hätte Goethe aber sicher auch einen Blog verwendet. Man macht damit wenig anderes (zumindest im Kern), als das, was man auch so schon macht: schreiben. Worte produzieren, die in ihrer Aneinanderreihung hoffentlich genug Sinn ergeben. Und genau das ist es, weshalb wir das alle machen oder nicht?

Leider ist das nicht mehr die Zeit von Goethe, deswegen muss ein Blog heute auch andere Aufgaben erfüllen. Er liefert hoffentlich etwas Reichweite, zeigt Präsenz, zeigt den Autor, das Gesicht hinter den Worten. Ein Blog sorgt dafür, dass Menschen im positiven Sinn an die eigenen Worte gefesselt werden können und dass auch der Autor merkt, dass er nicht für den luftleeren Raum schreibt. Ein Blog verbindet das Angenehme (das Schreiben) mit dem Nützlichen (der medialen Präsenz).

Und warum schreibe ich nun eigentlich?

Ich habe schon immer gerne gelesen, Geschichten konsumiert (ja, auch ich schaue sicher mal fragwürdige Streaminginhalte, wenn die Geschichte gut ist) und ich habe auch schon immer gerne Geschichten erzählt. Das fing wie bei uns alles im Kindesalter an, wenn die eigenen Spielsachen zu den Akteuren der Geschichten in meinem Kopf wurden. Aber auch später wurde immer wieder erzählt und ersonnen. Ich kam auch irgendwann mit Pen&Paper in Berührung und spätestens da war es eigentlich um mich geschehen.

Auch davor habe ich mich bereits mit Rollenspielen beschäftigt, aber das waren meist digitale Spiele, deren Geschichte schon vorgefertigt war. Ein Kontrast waren Rollenspiele in Internetforen (damals auch als Micronations bekannt), bei denen ich eigene Geschichten mit anderen erzählen konnte. Es war das Bindeglied zu Pen&Paper. Eigene Geschichten zu schreiben war dann nur noch die logische Konsequenz.

Ich möchte Geschichten erzählen, die teilweise seit Ewigkeiten in meinem Kopf herumgeistern. Sie aufzuschreiben, hilft mir nicht nur, sie aus dem Kopf herauszubekommen, sondern auch sie zu strukturieren und damit vielleicht auch für andere Menschen lesbar zu machen. Diese Geschichten sind hartnäckig, sonst wären sie nicht so lange dageblieben. Mich haben sie offenbar gefesselt, unter Umständen tun sie das, wieder im positiven Sinn, auch mit anderen Menschen. Das wäre fantastisch.

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