Jede Schreibübung ist für (angehende) Autoren eine wunderbare Möglichkeit, die eigenen Skills zu schärfen oder gar etwas vollkommen Neues zu erlernen. Wenn das Stichwort, in diesem Fall „Geheim“, und die Aufgabenstellung dann auch noch ideal passen, dann ist das ein Geschenk. Dabei ist es egal, welchen Effekt man sich selbst von der Teilnahme an einer Schreibübung erhofft, ein Gewinn sollte es in jedem Fall sein.
Ich möchte einfach allen Autoren und denen, die es werden wollen, die Teilnahme an passenden Schreibübungen empfehlen. Wenn man nach ihnen sucht, kann man sie auch recht einfach finden. Und sind wir mal ehrlich, die Autoren-Community ist super offen und freut sich eigentlich immer über engagierte „Kollegen“. Der Austausch mit anderen Autoren ist mindestens so wertvoll wie die Teilnahme an Schreibübungen. Eine echte Win-Win-Situation.
Was ist die Schreibübung 7-14-7?
Das Schreib-Forum bietet neben der Schreibübung "Schreiben gegen die Zeit" auch eine längerfristig angelegte Schreibübung. Bei der Schreibübung 7-14-7 gibt es eine Abstimmung über drei Themen mit je einem zugehörigen Begriff, die sieben Tage dauert. Im Anschluss haben die Teilnehmer vierzehn Tage Zeit für einen entsprechenden Text. Im Nachgang wird weitere sieben Tage über den Gewinner der Challenge abgestimmt.
Die Aufgabenstellung für diese Übung war nun schon etwas genauer, als man es vielleicht haben möchte. Aber ein starres Korsett kann vor allem unerfahrenen Autoren helfen. Und genau das war ich zu dem Zeitpunkt. Ich zitiere die Aufgabe: „Eure Figur ist allein und entdeckt einen Geheimgang, eine antike Grabkammer oder Ähnliches. Im Mittelpunkt der Szene soll wiederum die Beschreibung der Örtlichkeit stehen, aber ein paar Gefühle ob der Besonderheit der Situation sind natürlich erlaubt. Mindestens 250, maximal 500 Wörter.“
Klingt nach Fantasy oder irgendwas mit Indiana Jones. Aber solange es ein Geheimnis aufzudecken gilt, kann man auf alle Fälle eine wunderbare Geschichte verfassen und diese geheimnisvolle Umgebung wortreich beschreiben. Das hatte ich versucht und die unten stehende kleine Geschichte „Das Geheimnis der magischen Höhle“ geschrieben. Eventuell nutze ich das irgendwann nochmal für ein anderes Projekt als mein aktuelles, aber das werde ich dann sehen.
Lasst mir gerne einen Kommentar da, wenn euch die Geschichte gefallen hat. Oder auch, falls das nicht der Fall war. Konstruktive Kritik ist genauso wertvoll wie die Teilnahme an Schreibübungen. Mit beidem kann man über sich hinauswachsen.
Das Geheimnis der magischen Höhle
Die alten Schriften waren eindeutig und sie hatte es bei jeder Gelegenheit den Ordensschwestern wieder und wieder erklärt. Geglaubt hatten sie ihr nicht, aber das änderte nichts an ihrer Überzeugung. Die Höhle war da und sie strahlte nur so vor Macht! Und jetzt stand Isobelle direkt am Eingang und sog diese Macht in sich auf. Die magische Energie, die ihr entgegenstrahlte, ließ die Luft flimmern wie über einer heißen Kerze. Isobelle schloss die Augen, atmete tief ein und fokussierte sich, um nicht übermannt zu werden.
Als sie die Augen wieder öffnete, hatte das Flimmern abgenommen. Die Höhlenwände waren jetzt klarer zu erkennen. Die Jahrhunderte im Verborgenen hatten Spuren hinterlassen. Der einst glatte Stein, der den Höhleneingang gute drei Schritt weit auskleidete, hatte sichtbare Risse. Runen und Malereien, die laut der Schriften jegliche Eindringlinge vor Gefahren warnen sollten, sind fast vollständig verblasst oder abgesplittert. Isobelle wusste zu ihrem Glück, was sie erwartete.
Vor ihr lag ein dunkler, stufenloser Gang, der in einer leichten Biegung nach links tiefer nach unten führte. Die Wände hier waren weder behauen noch bemalt, sondern einfach der dunkle, kalte und feuchte Stein, aus dem hier alles bestand. Niemand hatte sich die Mühe machen wollen, für mehr Glanz als notwendig zu sorgen. Der Schatz der Höhle musste Ansporn genug sein.
Es hatte auch niemand für mehr Licht als notwendig gesorgt, weshalb Isobelle ihre Hand zur Faust schloss und dann langsam öffnete. Das schwache Leuchten, das sie erzeugen wollte, überwältigte sie beinahe, denn durch die Magie in der Luft strahlte es wie die Sonne. Mühsam brachte sie es unter Kontrolle und begutachtete den Weg vor sich. Er war vollkommen langweilig, schmucklos und uninteressant. Langsam setzte sie ihren Weg fort, Schritt für Schritt immer weiter in einer spiralförmigen Bewegung am nackten Fels entlang nach unten.
Nach wenigen Minuten, die ihr wegen der Eintönigkeit wie Stunden erschienen, flachte der Boden merklich ab. Es ging nicht mehr tiefer, sondern jetzt weiter in das Felsmassiv hinein. Aber auch die Luft um sie herum war anders. Nein, nicht die Luft. Die Aura des Ortes. Nahe dem Eingang hatte sie die Kälte des grauen Felsens, die Feuchtigkeit, den Staub der Jahrhunderte gespürt, ohne dass sie es wirklich hätte berühren können, weil es von der Energie getragen wurde. Hier war es anders. Kein Staub, keine Feuchtigkeit, keine Kälte. Reine Energie. Die Luft schmeckte nicht frisch wie an der Oberfläche, aber doch merklich anders. Nicht frisch, aber erfrischend. Sie sog alles in sich auf und ging weiter.
Bereits nach kurzer Zeit erstreckte sich vor Isobelle eine gewaltige Halle. Weiß strahlende Säulen stützten eine Decke, die nur zu erahnen, aber nicht wirklich zu sehen ist. Gewaltige gusseiserne Feuerschalen, die um die Säulen herum platziert sind, verbreiten eine Wärme, die in mehreren Schritt Entfernung spürbar ist. Was darin verbrennt oder wer sie entzündet hat, kann Isobelle nicht sagen. In der Entfernung, genau gegenüber dem Gang, den sie beschritten hat, leuchtet ein bläulicher Schein so hell, dass er trotz der Distanz als etwas anderes wahrgenommen werden kann. Pure, manifestierte Magie.
